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Leckermäuler mit Lust auf "Pralinen" im Wald


24.03.2025 - 04:03 Uhr


Die «Pralinen» hängen auf Nasenhöhe. Gerade in den Wintermonaten gelten sie als eine Delikatesse für die Leckermäuler. Rehe zupfen dann mit Vorliebe die Knospen von vielen Edelholzarten im Wald. Was sich harmlos anhört, hat große Auswirkungen auf den Erhalt der Wälder. 

Gerade Baumarten wie Ahorn, Eibe, Linde, Ulme, Esche und Speierling, die für mehr Vielfalt und damit auch mehr Widerstandskraft des Waldes sorgen sollen, werden so dezimiert. «Ab einer Höhe von 20 Zentimetern kommt dann der Rasenmäher», beschreibt der Leiter des Forstrevier Alsenz-Obermoschel, Ralph Barme, das Fressverhalten der Rehe.

Rehwild flächendeckend vertreten

In dem Revier, das zum Forstamt Donnersberg gehört, befinden sich 90 Prozent Laub- und 10 Prozent Nadelbäume. Das Rehwild ist flächendeckend vertreten. Im Winter wandern die Tiere von den abgeernteten Feldern in die Wälder. Damit erhöht sich das Risiko von Verbiss-Schäden an Bäumen. Das Forstamtsgebiet umfasst eine Gesamtfläche von etwa 64.500 Hektar. Die Waldfläche beträgt 20.497 Hektar, davon sind mehr als 13.000 Hektar Staatswald. 

«Die Rehe sind "Pralinen"-Fresser», berichtet der 61-Jährige. «Die fressen am liebsten die frischen Knospen bei den Edelhölzern.» Die Rehe müssten aufgrund ihres Verdauungstraktes hochenergetisches Futter fressen. «Das sind vor allem Knospen.» Auch Eichen und gerade die gefährdete Weißtanne stünden bevorzugt auf dem Speisezettel. Das Rotwild bevorzuge eher Gras. «Die sind fast wie Weidetiere», sagt der Förster.

Hohe Kosten durch Schäden

Die teils sehr hohen Schäden durch den Verbiss führten dazu, dass das ökologische Ziel eines naturnahen Mischwaldes in Gefahr ist, erklärt Andreas Grauer in Vertretung von Forstamtsleiter Lothar Runge. In gut funktionierenden Mischwäldern sollen etwa fünf verschiedene Baumarten für die nötige Widerstandskraft des Forts sorgen. Für Schutzmaßnahmen auf ausgewählten Flächen investiere das Forstamt rund 65.000 Euro.

Von einer ähnlichen Entwicklung in anderen Regionen von Rheinland-Pfalz berichtet Umweltministerin Katrin Eder (Grüne) in ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Fraktion: Eine Auswertung von Daten aus Jagdbezirken über die vergangenen vier Jahre zeige, dass der Einfluss von Schalenwild - zu dem auch Rehe gehören - vielerorts zu Gefährdungen der Ziele für mehr Mischwald und eine Verjüngung des Bestands führt.

Schäden durch Verbiss steigen

Vor allem in den kommunalen und den gemeinschaftlichen, meist verpachteten Jagdbezirken sei eine anhaltend hohe Verbiss-Belastung durch Rehwild festzustellen: «Im Jahr 2020 waren hier 54 Prozent gefährdet, 2024 sogar 64 Prozent», erklärt die Umweltministerin. 

Mit Zäunen und Schutzhüllen für die kleinen Triebe, vor allem aber mit der Jagd versuchen die Förster, das Gleichgewicht im Wald zu erhalten. «Gerade durch effektive und intensive Bejagung verjüngungsrelevanter Flächen kann die Wildverbiss-Intensität lokal abgesenkt werden», erklärt die Grünen-Politikerin. Diese Einschätzung teilen auch die Praktiker.

Schwierigste Zeit von Januar bis März 

Von Januar bis März, teilweise bis in den April ist für die Förster die schwierigste Zeit. «Da ist der Verbiss am höchsten», sagt Revierleiter Barme. «Wenn der Frühling kommt, gehen die Rehe wieder auf die Felder.» Dann wachsen die Büsche in der Feldflur wieder höher und es sprießen Kräuter im Feld, so dass die jungen Knospen im Wald nicht mehr so gefährdet sind.

«Es wird mehr gejagt», betont Andreas Grauer. «Es muss auch mehr gejagt werden. Das ist die Konsequenz aus den Verbiss-Schäden.» Ab Mai können nach seinen Angaben Rehböcke und junges weibliches Wild sowie Schwarzwild gejagt werde, ab September ist das dann auch für Geißen und Kitze möglich.

Abschuss von rund 700 Rehen pro Jahr

Um den Bestand sinnvoll und gezielt zu reduzieren, seien die Förster auch auf die sogenannte Drückjagd angewiesen, bei der das Wild mit Treibern und Hunden aus der Deckung getrieben wird, erklärt Grauer. In den Jagdrevieren des Forstamtes würden pro Jahr etwa 700 Rehe erlegt. «Die Jagd ist ein entscheidender Faktor zur Sicherung einer artenreichen Naturvielfalt.»

Um den Erfolg der Maßnahmen zu dokumentieren, werden Verbiss-Gutachten an bestimmten Punkten in den Revieren angefertigt. In einem landesweit standardisierten Verfahren wird so gemessen, wie viel Prozent der jungen Bäume abgebissen sind. Die erfassten Bäume sind mit bunten Bändern versehen, um sie später wieder finden zu können. 

Förster Barme lässt in seinem Revier auch zwölf mal zwölf Meter große Gatter als sogenannte Weiserflächen errichten. Damit soll über eine gewisse Periode beobachtet werden, wie sich der Wuchs der Bäume innerhalb und außerhalb des Gatters entwickelt.

«Wir brauchen gute Jäger»

«Wir brauchen gute Jäger, die wild-biologisch fit aber auch die Schäden im Wald nicht aus dem Blick verlieren», betont Grauer. «Denn wir wollen mit der Natur arbeiten, nicht gegen die Natur.»

© dpa-infocom, dpa:250324-930-412347/1

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